Der Artikel untersucht den Wandel des religiösen cleavage und zeigt, dass Religion weiterhin das Wahlverhalten in Deutschland prägt. Nach dem Übergang von einer konfessionellen zu einer religiös-säkularen Konfliktlinie zeichnet sich eine weitere Transformation ab. Zentral ist mittlerweile die Konfliktlinie des Religionsanspruchs, die zwischen Christ:innen mit einem inklusiven und einem exklusiven Religionsanspruch verläuft. Ein exklusiver Religionsanspruch erhöht im Vergleich zu einem inklusiven die Wahrscheinlichkeit, Pfade der Radikalisierung (Wahl der AfD), der Traditionalisierung (Wahl der CDU/CSU) oder des Rückzugs (Nicht-Wahl) einzuschlagen. Diese Zusammenhänge werden unter anderem durch rechtspopulistische Positionen und wahrgenommene religiöse Benachteiligung vermittelt. Insgesamt verdeutlicht der Beitrag die elektorale Relevanz religiöser Faktoren und zeigt gleichzeitig die Veränderlichkeit des religiösen cleavage in Deutschland.